Valentina Poster copy

 

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In der Einzelausstellung „organiche/geometriche“ widmet sich die in Berlin lebende italienische Künstlerin Valentina Bardazzi (1974) dem Widerspiel vom Organischen und Geometrischen. Die Beschäftigung mit den beiden ästhetischen Prinzipien liegt im Interesse der Künstlerin begründet, Gesetze und Regeln des Schönen zu erkunden und zu befragen. In der Galerie werden vom 6. Mai 2016 bis 6. Juni 2016 – im Rahmen von „Arte Italiana“ – die neuesten Werke der Künstlerin gezeigt.

Hervorgetreten ist Valentina Bardazzi mit ihren Arbeiten, die den pathologisch verfassten Körper als Austragungsort von Schönheit(snormen) und Anormalen im Fokus hatten. Stichwortgeber waren die medizinisch-pathologischen Körperdarstellungen aus dem 19. Jahrhundert. Valentina Bardazzi nutzte die wissenschaftlichen Zeichnungen und Photographien aus den Lehrbüchern als Vorlagen. Die Detailgenauigkeit der Zeichnungen, die Neigung zum Grotesken und Abstoßendem und das ästhetisch Grenzüberschreitende der bizarren und monströsen Körpererscheinungen bewegte die Künstlerin zu Repräsentationen anderer Schönheit. Die Bildkultur und ihre Darstellungsweisen griff die Künstlerin auf, um in einer Serie von Körpern-Bildern das Paradox der Hässlichkeit zu veranschaulichen.

Die Auseinandersetzung mit Vorstellungen, Definitionen und Bildern vom Schönen ist weiterhin ein Anliegen der Künstlerin. Die bereits im wissenschaftlichen Blick angelegte Praktik des Detaillierens (Trennen, Abtrennen, Heraustrennen, Auftrennen) ist für sie maßgeblich: Akribisch überträgt sie zuerst Motive auf Blätter, um sie dann zu zerreißen, im nächsten Schritt werden die Teile auf den Bildträgern geklebt oder übertragen und zu biomorph-extravaganten Körperarabesken arrangiert. Ornamentale Teilstücke, religiöse Motive und Muster aus anderen Kontexten werden dabei in einer Art Einlegearbeit hineinmontiert, geschichtet oder raffiniert in das Sujet eingefaltet. Auf diese Weise treibt sie das Formspiel bis zum Äußersten und befragt Grenzen und Konturen einer Figur oder einer Form auf ihre Instabilität. Ihre Körperkonglomerate sind gezielte Verletzungen von etablierten Mustern und Regeln. Maß, Schönheit und Harmonie werden dabei nicht preisgegeben, sondern artikulieren sich als Suchbewegung in der klassischorientierten Mal- und Zeichentechnik sowie der Komposition.

In den neueren Arbeiten öffnet sich Valentina Bardazzis Arbeitsweise vielfältigen Horizonten. Anspielungsreiche Bildmotive bilden ein visuelles Geflecht, minimale Anklänge an das Informelle, Bad Painting und Arte Povera schreiben sich in das Bildfeld ein und erzeugen eine Atmosphäre des Unreinen, sinnlich Taktilem. Anthropometrische Visualisierungen, Diagramme, Tabellen, technoide Lineaturen bilden Raster für organische, florale oder streng ornamentale Wucherungen oder Fügungen. Das Prinzip des Details und die Technik der Collage ist auch hier das zugrundeliegende Organisationsprinzip. Die sonst strenge Komposition der früheren Bilder, die Konzentration auf das  Figurale, wird teilweise aufgegeben zugunsten einer auf Analogie beruhenden visuellen Anordnung.

BOLLA DI REALTA´ 2016 okBolla di Realtà , 2016